Wie fertige ich eine wissenschaftliche Arbeit an?

Themen- und Materialsuche, Plan und Gliederung, Zitiertechnik u. a. Eine 'Formsache', für die sich nicht nur Prüfer und Leser interessieren, sondern die jedem, der von ihr konsequent Gebrauch macht, zugleich ein Hilfsgerüst bietet, auf das Inhalte um so einfacher und konzentrierter aufgebaut werden können.

Hinweis: Wer im Philosophiestudium Einführungen zu diesem Thema vermißt, sollte fachübergreifend die zumeist vorbildlichen entsprechenden Einführungsseminare oder Publikationen der Literaturwissenschaft o.a. philologischer Bereiche wahrnehmen.

 


 

Literaturempfehlungen (Auswahl)

Binder, Alwin, Klaus Haberkamm u.a.: Einführung in Techniken literaturwissenschaftlichen Arbeitens. Frankfurt a. M. [1986=6.Aufl.] [Scriptor Verlag, Monographien, Literaturwissenschaft; 8] [ISBN 3-589-00095-3] Auf aktuelle Auflage achten!

Eco, Umberto: Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Heidelberg 1998 [=7., unveränderte Auflage der deutschen Ausgabe] [UTB für Wissenschaft, C.F. Müller Juristischer Verlag] [ISBN 3-8252-1512-1]

Standop, Ewald und Matthias L.G. Meyer: Die Form der wissenschaftlichen Arbeit. Wiesbaden 1998 [=15., überarb. Aufl.] [UTB für Wissenschaft, Quelle & Meyer Verlag] [ISBN 3-8252-0272-0 (UTB), ISBN 3-494-02248-8 (Quelle und Meyer)]

Rückriem, Georg, Joachim Stary u Norbert Franck: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens: eine praktische Anleitung. Paderborn/München/Wien/Zürich 1994 [=8. Auflage] [UTB für Wissenschaft: Uni-Taschenbücher 724] [ISBN 3-8252-0724-2 (UTB), ISBN 3-506-99431-X (Schöningh)]


 

Das Thema

Wahl des Themas, Fragen zur Klärung vor allem bei Abschlußarbeiten
-Entspricht das Thema meinen Interessen bzw. welches Thema entspricht ihnen? (Prüfungsfächer, gelesene Literatur usw.).
-Sind die für das Thema notwendigen Quellen auffindbar bzw. zugänglich?
-Bin ich in der Lage, die entsprechenden Werke im Original zu lesen? (Fremdsprachen)
-Wieviel Bearbeitungszeit und welche finanziellen Mittel habe ich zur Verfügung? (Prüfungstermine, Reisen)
In Berufung auf Umberto Eco (vgl. o.a. Buch, S. 15) sollte man sich also zuerst über die banale und doch entscheidende Tatsache klar werden, ob man die angestrebte Arbeit auch schreiben 'kann'.

Eingrenzung des Themas
Vielleicht der wichtigste Punkt: die Eingrenzung des einmal gewählten oder gestellten Themas. Je weiter ein Thema gewählt ist, desto eher setzt man sich dem Vorwurf von Unterlassungen aus, da man die ganze Breite des Themas nicht mehr bearbeiten oder überblicken kann. So wird das Thema 'Raum- und Zeitbegriff in der Transzendentalen Ästhetik Immanuel Kants' sich viel leichter bearbeiten lassen als 'Raum- und Zeitbegriff bei Immanuel Kant' und dieses wiederum leichter als 'Das Werk Immanuel Kants' oder gar 'Raum- und Zeitbegriffe'. (Fachlichen und/oder historischen Rahmen genau festlegen!)
Letztlich hängt die Bearbeitung eines Themas jedoch von seinem Autor ab, so daß man andererseits aufgrund vermeintlicher Schwierigkeitsgrade oder auch anderer Hürden nicht vorschnell kapitulieren sollte. (Qualität, Kreativität, Beharrlichkeit sind gefragt)

Ein Thema wissenschaftlich behandeln
..muß nicht bedeuten, daß man ausschließlich Neues über den Gegenstand zu sagen hat. Auch eine neue Perspektive kann den Gegenstand in neuem Licht erscheinen lassen. 'Wissenschaftlichkeit' bedeutet aber noch mehr, als die aufmerksame Zwiesprache mit dem Gegenstand: angesprochen ist immer eine Öffentlichkeit, d.h. die Arbeit sollte für die Forschung von Nutzen sein und sie soll diskutierbar sein. Dazu gehört, die eigene Vorgehensweise/Methode deutlich zu machen sowie Hypothesen möglichst stichhaltig aufzustellen (logische Argumente, nachprüfbare Quellen, nach dem Prinzip der Popper'schen Falsifikation: nicht die potentiellen Gegenbeweise zu erwähnen vergessen!).

 


 

Materialsuche und -strukturierung

Der Ort der Materialsuche ist zumeist eine Bibliothek. Hier sollte man sich bereits auskennen, sei es im Umgang mit Büchern, Zettelkatalogen, Mikrofiches etc. oder mit elektronischen Datenbänken und -beständen. (Die Bibliotheken der Universitäten und einzelnen Fachbereiche bieten regelmäßig Führungen zur Orientierung an)

Primär- und Sekundärliteratur
Bei dem Material wird ganz klar unterschieden zwischen den Quellen ('Primärliteratur') und der ergänzenden bzw. weiterführenden Literatur ('Sekundärliteratur').
Dasselbe Material kann sowohl Primär- als auch Sekundärliteratur sein. Dies hängt von dem gewählten Thema ab - z.B. lautet das Thema 'Die Philosophie Friedrich Nietzsches', so stellen dessen Werke die Primärliteratur dar; lautet das Thema hingegen 'Die Stellung Friedrich Nietzsches bei seinen frühen Biographen', so ist klar, daß Nietzsches Werke hier Sekundärliteratur darstellen, da primär die Werke der entsprechenden Biographen untersucht werden sollen usw.
Grundsätzlich: Als Quellen die Originale heranziehen; fachlich anerkannte Literatur benutzen (z.B. für die Beschäftigung mit den 'Vorsokratikern' u.a. die von Diels/Kranz herausgegebene Textsammlung 'Die Fragmente der Vorsokratiker', die ihrerseits zu einem wichtigen Dokument der Philosophiegeschichtsschreibung wurde).

Bibliographieren
Der erste Anhaltspunkt für die Materialsuche ist das gegebene Thema, mit diesem ein erstes bekanntes Buch oder größeres Nachschlagewerk. Bald wird man feststellen, daß an dem dünnen Faden der bisher bekannten Literatur sich ein ganzes Knäuel von neuer, weiterer Literatur aufspannt. Die Literatursammlung zu dem Thema sollte zwar möglichst erschöpfend sein, aber eben dieses Umfanges wegen ist ein Strukturieren von vornherein unerläßlich. Als Mittel zur Strukturierung eignen sich Zettel, alphabetische Karteien oder EDV-gestützte Textverarbeitungs- o. Datenbankprogramme. Ausführliche Beispiele zur Systematik des Bibliographierens finden sich in den oben empfohlenen Büchern. Ich persönlich halte es für ratsam, eine eigene Methode herauszufinden, denn mit einem System, das einem nicht liegt, arbeitet es sich auch nicht gut.
Achtung: Immer vollständige bibliographische Angaben machen! (besseres Wiederfinden, baut bereits späteres Literaturverzeichnis auf)

Exzerpieren
Es ist wichtig, daß parallel zum Bibliographieren mit dem Exzerpieren begonnen wird, d. h. die Inhalte der gekauften/geliehenen/kopierten Literatur nicht allein seinem Gedächtnis anzuvertrauen, sondern Notizen anzufertigen (je länger der Bearbeitungszeitraum, um so dringender!). Diese können Zitate sein, Kommentare usw. und sollten ebenfalls auf systematische Weise strukturiert werden (Karteikästen, Kladden usw., beim Exzerpieren auch auf vollständige bibliograhische Angaben achten!)

 


 

Planung und Gliederung der Arbeit

Die frühzeitige vorläufige Gliederung der schriftlichen Arbeit bringt zwei Vorteile mit sich: 1. aus der Gliederung erwächst das spätere Inhaltsverzeichnis und 2. hilft ein erstes erstelltes Textdokument dabei, etwaige Schreibhemmungen zu überwinden.

Inhaltsverzeichnis
Detaillierte anschauliche Übersichten hierzu geben Standop/Meyer (vgl. o.a. Buch), S. 21 und Binder/Haberkamm u.a. (vgl. o.a. Buch), S. 50-51.
Wichtigste Anhaltspunkte:
1.Die Schulaufsatzmethode (A Einleitung, B Hauptteil, C Schluß) ist in wissenschaftlichen Arbeiten nicht üblich.
(Auch das Vorwort ist nicht zu verwechseln mit der Einleitung)
2
.Zum Inhaltsverzeichnis gehören Seitenangaben.
3.Jede im Inhaltsverzeichnis erscheinende Überschrift ist im Text der Arbeit (wörtlich) zu wiederholen.
(Üblich bei Überschriften ist ein knapper Nominalstil, aber auch analytische Titel in Form längerer Sätze oder Fragen kommen vor)
Bei der 'traditionellen Gliederung' verwendet man eine Kombination von römischen und arabischen Ziffern und großen und kleinen Buchstaben, zunehmend wird aber auch von der 'Dezimalzählung' Gebrauch gemacht, die eine Kombination aus arabischen Zahlen und Punkten darstellt. Die Wahl der Gliederungsart ist frei, entscheidend ist jedoch, daß man an der einmal gewählten Systematik konsequent festhält. Dies ist ganz entscheidend wichtig und gilt generell im Falle einer formalen Alternative! (Konsequenz ist wichtiger, als Spezialistentum, d.h. man muß beispielsweise nicht wissen, wenn es auch aus der Sicht eines Setzers wünschenswert ist, daß jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen hat, wie im Buchdruck eigentlich üblich)

Schreiben
Die meines Erachtens zwei größten Probleme: 1. Schreibhemmung einem leeren Blatt oder Bildschirm gegenüber, 2. das sogenannte "Runterschreiben". Gegen beides hilft nur möglichst bald mit dem Schreiben zu beginnen, denn sonst wird zum einen die Schreibhemmung durch das zunehmende Lesen, Sichten und Sammeln nur vergrößert, und zum anderen fehlen beim "Runterschreiben" die zur eigenen Korrektur und Kontrolle notwendigen Pausen.
Papier bleibt unverzichtbar, auch beim EDV-Einsatz: nur der Ausdruck läßt Fehler gut erkennen; was zu Papier gebracht wird, läßt sich nicht so einfach revidieren, wie alles lediglich virtuell Vorhandene.
Die Arbeit richtet sich potentiell immer an viele Leser und sollte daher klar und verständlich geschrieben sein (Erklärungen geben! Bsp.: man sollte sich nicht scheuen nachvollziehbar anzugeben, von welchem 'Meier' eben die Rede ist und wieso man ihn in diesem Zusammenhang erwähnt, wenn dieser nicht gerade im Titel vorkommt und sowieso einer eingehenden Vorstellung bedarf, auch dann nicht, wenn man 'Meier' und dessen Werk inzwischen auswendig zu kennen glaubt, und nicht einmal dann, wenn man weiß, daß der Professor diesen aber doch auswendig kennt.); hierzu gehört ferner, daß man die in der Arbeit vorkommenden Fachbegriffe definiert und die Terminologie vereinfacht (dies ist auch von Vorteil für die Erstellung eines Registers).
Das Wichtigste: Kontinuierliche Korrektur (vermeidbarer Redundanzen) und viele Absätze verwenden (zur Strukturierung, ansonsten geschieht es z.B., daß ein Satz mit 'Einerseits' eingeleitet wird, ohne daß je - wegen des interessanten und über mehrere Sätze fortgesetzten Themas - das 'andererseits' noch einmal angetroffen wird; es wurde über das "Runterschreiben" einfach vergessen).

Stilregeln
-Lange Schachtelsätze, viele Pronomina und Nebensätze vermeiden.
(Zur Übung empfehle ich z.B. eine beliebe Passage aus Kants 'Kritik der reinen Vernunft' in eigene Worte zu übersetzen)
-Häufiger Fehler: den Stil des zu behandelnden Autors nachzuahmen.
-Keine Ausrufungszeichen oder höchstens ein oder zwei benutzen (bescheiden ausdrücken).
-"Ich" oder "Wir"?:
Der pluralis modestatis der ersten Person (wir, uns, unser) vermeidet das auktoriale Ich, genauso das Passiv ("Es wird darauf hingewiesen...") oder der Konjunktiv ("Es sei noch erwähnt..."). Wenn der Autor sich selbst meint, kann er nicht sagen: "Wir machten folgendes Experiment...", wohl aber kann er sagen: "Wie wir im 3. Kapitel sahen...", wenn damit ausdrücklich 'der Leser und ich' gemeint sind. Welche Form letztlich gewählt wird, bleibt dem Autor überlassen.
(Meines Erachtens ist der Gebrauch des auktorialen Ich oft ehrlicher, aber auch trendfeindlicher - während z.B. der Philosoph Hugo Dingler davon noch selbstverständlichen Gebrauch machte, ist in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Literatur mindestens so selbstverständlich fast nur noch von "Wir..." die Rede)
-Sexismen (vgl. hierzu Standop/Meyer, o.a. Buch, S. 192f.) sind Formen wie 'Bürgerinnen und Bürger' usw., da während 'Bürger' für beide Geschlechter steht, mit 'Bürgerinnen' ausdrücklich das weibliche Geschlecht angesprochen wird. Eine in diesem Sinne einheitliche Schreibweise konnte bisher nicht gefunden werden. (Ich meine: Ausdruck solcher 'politischen Korrektheit' ist nicht in jeder wissenschaftlichen Arbeit beliebig am rechten Platze und lenkt zumeist eher vom eigentlichen Untersuchungsgegenstand ab)

 


 

Das Zitat

Allgemein
Eine Textstelle wird zum Zwecke der Untersuchung und Interpretation oder zur Unterstützung der eigenen Auslegung zitiert. Aus jedem Zitat müssen sich der Autor und die Quelle eindeutig ergeben. Die Zitate sollten nur den kritischen oder anerkanntesten Ausgaben entnommen werden. Ist die Quelle des Zitats eine Fremdsprache, so ist in dieser zu zitieren (es empfiehlt sich, eine eigene Übersetzung beizufügen - Übersetzungen sind immer schon Interpretationen). Mit der Zitiertechnik sollte man sich ausführlich beschäftigen, da kleine Fehler hier bereits große Unklarheiten hervorrufen können (beispielsweise muß die Position hochgestellter Ziffern exakt sein: die Ziffer nach einem Satzpunkt bezieht sich auf den ganzen Satz; wenn diese aber vor den Satzpunkt rückt, dann bezieht sie sich auf das Wort vor dem Satzpunkt. Da eine hochgestellte Ziffer immer auf eine Anmerkung in den Fuß- oder Endnoten verweist, ist klar, daß sich in diesem Beispiel je nach Position völlig andere Bedeutungszusammenhänge ergeben.). Kürzere Zitate werden im Fließtext in Anführungszeichen untergebracht, längere können besser eingerückt und engzeilig getippt werden (Anführungszeichen sind dann nicht nötig). Zitate müssen wortgetreu wiedergegeben werden. Auslassungen oder Ergänzungen werden in eckigen Klammern angegeben; Hervorhebungen müssen kenntlich gemacht werden. Auch sinngemäße Übernahmen aus fremden Quellen müssen als solche kenntlich gemacht werden (z.B. durch 'vgl....' usw.)
Eine besonders ausführliche und deutliche Übersicht zur Zitiertechnik bietet das o.a. Buch von Binder/Haberkamm u.a.

Funktion Fußnoten
(Endnoten befinden sich am Ende eines Kapitels, empfehlen sich aber wegen der Mühe des Nachschlagens nicht)
Fußnoten befinden sich am Ende einer Seite. Ihre Funktion ist, die Herkunft der Zitate anzugeben (da im Text der Lesefluß durch die ausführlichen Angaben behindert würde). Weitere Bibliographische Angaben, interne oder externe Verweise gehören ebenfalls hierher. Wenn ein Argumentationsverlauf im Text gestört wird, stellt man auch ergänzende/unterstützende Zitate oder Hinweise in die Fußnoten. Den Umgang mit Fußnoten sollte man einüben, denn weder sollten sie mit Nebensächlichkeiten vollgeschrieben werden, noch sollte etwas für den Textteil Unentbehrliches dorthin ausgelagert werden (wer hat nicht schon zu seinem Erstaunen gar manche Erkenntnis erst durch eine Fußnote erlangt!). Dennoch, zusätzliche Informationen, Kommentare, das Einräumen möglicher anderer Meinungen, Übersetzungen originalsprachiger Zitate usw. gehören - maßvoll angebracht - grundsätzlich auch in die Fußnoten.

Technik: Zitierweise Fußnote
Nachweis von Zitaten mittels einer Fußnote in einer Anmerkung. Grundschema (Minimalbestandteile):

Name, Vorname des Autors, Titel, Verlagsort, Erscheinungsjahr

(Vorsicht: Abweichende Zeichensetzung - nachschlagen! Beispiel: Name, Vorname des Autors: Titel. Verlagsort Erscheinungsjahr.)
Sobald z.B. ein Herausgeber [(Hrsg.:) (Hg.) hrsg. von] auftritt oder die Quelle z.B. einer Zeitschrift [In: Name der Zeitschrift, etc., Seitenangabe des betreffenden Aufsatzes] entstammt, werden zusätzliche Angaben erforderlich. Die hierfür anerkannten Regelungen sollte man nachschlagen (z.B. in o.a. Büchern). Wie das obige Beispiel des in verschiedener Weise angeführten Herausgebers zeigt, gibt es unterschiedliche Regelungen. Wichtig ist also auch hier, das Verfahren, für das man sich entscheidet, in der Arbeit konsequent anzuwenden und beizubehalten.

Für die hierunter erwähnte Zitiertechnik (Autor-Jahr) gilt: Im Unterschied zur Bibliographie werden in den Fußnoten nur Kommata benutzt. Bei dieser Technik wird, wenn es sich um modernes Schrifttum handelt (nach Standop/Meyer), außerdem stets der Verlag (sowohl in den Fußnoten, als auch später in der Bibliographie) angeführt. Minimalbestandteile:

Vorname Name, Titel : Untertitel (Verlagsort : Verlag, Jahr)

Technik: Zitierweise Autor-Jahr
Das Autor-Jahr-System ('Havard Notation') ist eine einfache Zitierweise, mit der man Platz spart. Anwendbar ist dieses Verfahren allerdings nur, wenn eine Bibliographie erstellt wird. Da dies üblich geworden ist, hat sich das Autor-Jahr-System allgemein durchzusetzen begonnen. Den wörtlichen oder sinngemäßen Übernahmen aus fremden Quellen werden innerhalb des Fließtextes bestimmte Angaben in runden Klammern nachgestellt (diese Angaben treten an die Stelle der Fußnotenziffern und Fußnoten). Grundschema (beachte Zeichensetzung):

( Verfassername (ohne Vorname)  Erscheinungsjahr der Publikation, aus der zitiert wird : Seitenzahl(en) )

(Vorsicht: Abweichende Zeichensetzung aber in Bibliographie - nachschlagen!)
Nachteil dieses Verfahrens: Je weiter zurück die Originalquellen liegen, mit denen man sich beschäftigt, desto weniger empfehlenswert ist diese Zitierweise. Quellen und Literatur sollten daher in der Bibliographie getrennt werden und die Quellen herkömmlich benannt werden. Wenigstens die Bibliographie sollte die genaue Sachlage erkennen lassen. (Über die erste Begegnung mit diesem System habe ich mich zunächst sehr geärgert: die vorgefundene Angabe '(Kant 1936-1938)' nahm sich in meinen Augen nicht nur merkwürdig aus, sondern ließ auch kaum erkennen, daß es sich hier um ein Zitat aus Kants opus postumum, nach einer bestimmten Ausgabe, gehandelt hatte.)

Extra Hinweise Zitate
-Wörterbücher nicht nach Band und Seite zitieren, sondern nach Stichwörtern
-Internetzitate, Grundschema: Name des Autors, Erstellungsdatum, Titel in Anführungszeichen, URL, Datum des erfolgten Zugriffes in runden Klammern. Vgl. hierzu ausführlich Standop/Meyer S. 88-90 o.a. Buch (auch E-Mail und E-Mail an Newsgroups werden hier berücksichtigt)
Zur Zitierweise von Online-Quellen (mit vielen Beispielen) siehe im Internet die Magisterarbeit von Ralf Taprogge, "Eine Studie zur Nutzung elektronischer Kommunikationsnetze", 1996, WWU Münster: http://www.muenster.de/~taprogge/ma/
-Zwar sind die Ausdrücke 'Ibidem' bzw. 'ebenda' oder auch 'loco citato' bzw. 'A.a.O.' praktisch überall gebräuchlich, aber oft ist ihr Einsatz verzichtbar, wenn sich beispielsweise der Autor durch genaue Quellenangabe die Mühe gibt, nicht den Leser den angegebenen Ort suchen zu lassen. Daß es zudem schnell zu einem fehlerhaften Gebrauch kommt, ist bei Standop/Meyer (o.a. Buch), S. 64f. nachzulesen.

Hinweis: Ich empfehle jedem, der eine wissenschaftliche Arbeit anfertigen möchte, die Anschaffung (falls möglich) eines einführenden Heftchens oder Buches zur 'Form wissenschaftlichen Arbeitens'. Diese Rubrik kann nur die Umrisse eines 'weiten Feldes' anzeigen. Ergänzungen und Kritik nehme ich gerne entgegen.

 

(c) Alle Rechte vorbehalten, 1999ff.
Kirstin Zeyer, Münster,
http://www.kirstin-zeyer.de